Wenn man an Italien im 19. Jahrhundert denkt, kommen einem selten Frauen in juristischen Roben in den Sinn. Doch genau dort steht Lidia Poët – eine Pionierin, deren Geschichte heute durch eine Netflix-Serie neu erzählt wird. 1883 wurde sie als erste Frau in die Anwaltskammer von Turin aufgenommen und dann wieder ausgeschlossen, weil das Gesetz Frauen nicht als Anwältinnen vorsah. Dieser Artikel zeigt, was historisch belegt ist, wo die Serie dramatisiert und welche Lücken in den Quellen bleiben.

Geburtsdatum: 26. August 1855 ·
Sterbedatum: 25. Februar 1949 ·
Beruf: Juristin, erste Anwältin Italiens ·
Bekannt für: Kampf um Zulassung von Frauen zur Anwaltschaft ·
Netflix-Serie: „The Law According to Lidia Poët“ (2023–2026)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
  • Netflix bestätigte Staffel 2 und 3 der Serie (Netflix (offizielle Serienseite))
  • Historische Forschung zu Poët wird intensiver – Universitäten untersuchen den Fall als Präzedenzfall (Taylor & Francis (akademische Analyse))

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Lebensdaten der historischen Figur zusammen.

Lebensdaten von Lidia Poët im Überblick
Merkmal Wert
Vollständiger Name Lidia Poët
Geburtsdatum 26. August 1855
Geburtsort Perrero, Piemont, Italien
Sterbedatum 25. Februar 1949
Sterbeort Diano Marina, Ligurien, Italien
Beruf Juristin, Frauenrechtlerin
Bekannt als Erste italienische Anwältin

Was diese Daten zeigen: Poët erlebte zwei Jahrhunderte und kämpfte fast vier Jahrzehnte um ihr Recht.

Ist Lidia Poët eine wahre Geschichte?

Ja – die historische Figur existierte wirklich. Lidia Poët war die erste Frau, die in Italien Jura studierte und die Anwaltsprüfung bestand. Die Netflix-Serie „The Law According to Lidia Poët“ bezeichnet sich selbst als „inspiriert von der wahren Geschichte“ (Netflix Tudum (offizielle Serien-Website)).

Die historische Lidia Poët

  • Geboren 1855 im piemontesischen Perrero (Wikipedia (de))
  • Schloss 1881 ihr Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Turin ab (Netflix Tudum)
  • Wurde am 9. August 1883 in die Turiner Anwaltskammer aufgenommen (Ordine degli Avvocati di Torino (italienische Anwaltskammer))
  • Nach drei Monaten Praxis wurde ihr die Zulassung entzogen (Netflix Tudum)

Was das bedeutet: Die Grundlage der Serie ist real, aber die Handlung – insbesondere Kriminalfälle und Romanzen – ist erfunden.

Der Widerspruch

Die Serie zeigt eine junge Anwältin, die Morde aufklärt. Die echte Lidia Poët war nie als Detektivin tätig – ihr Kampf war rein juristisch und politisch. Die Netflix-Dramatisierung verleiht dem historischen Stoff ein modernes True-Crime-Gewand.

Die Netflix-Serie im Vergleich zur Realität

  • Die Hauptfigur Matilda De Angelis verkörpert eine fiktionalisierte Lidia, die selbst ermittelt (Wikipedia (de))
  • In der Serie hat Lidia eine Liebesbeziehung mit dem Journalisten Jacopo – eine erfundene Figur (Netflix Tudum)
  • Die historische Lidia führte keine Beziehung mit einem Jacopo; es gibt keine Aufzeichnungen über eine solche Person (Taylor & Francis (akademische Analyse))

Der Trade-off: Die Serie gewinnt an Zugkraft, verliert aber an historischer Genauigkeit. Wer die wahre Geschichte verstehen will, muss die Fakten von der Fiktion trennen.

Warum wurde Lidia Poët die Anwaltszulassung entzogen?

Der Turiner Anwaltsgerichtshof beschloss 1883, Poët die Zulassung zu entziehen, mit der Begründung, Frauen seien „nicht zur Ausübung des Anwaltsberufs befugt“ (Ordine degli Avvocati di Torino (italienische Anwaltskammer)).

Der Rechtsstreit von 1883

  • Der Rat stimmte zunächst mit 8 Ja- und 4 Nein-Stimmen für ihre Aufnahme (Ordine degli Avvocati di Torino)
  • Dann legte die Staatsanwaltschaft Einspruch ein – das Berufungsgericht hob die Entscheidung auf (WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk))
  • Poët legte Berufung beim Obersten Gerichtshof ein, verlor aber letztlich (Taylor & Francis (akademische Analyse))

Die Rolle der italienischen Justiz

  • Die Entscheidung basierte auf dem damaligen italienischen Recht, das Frauen die Ausübung juristischer Berufe verbot (CISL Milano (italienische Gewerkschaftspublikation))
  • Erst 1919 wurde das Gesetz geändert, sodass Frauen zur Anwaltschaft zugelassen werden konnten (Netflix Tudum)
  • Poët selbst wurde 1920, im Alter von 65 Jahren, wieder in die Kammer aufgenommen (Netflix Tudum)
Warum das zählt

Der Fall Poët war kein persönlicher Skandal, sondern ein strukturelles Urteil: Die italienische Justiz nutzte eine Gesetzeslücke, um Frauen aus dem Berufsstand fernzuhalten. Die Wiederzulassung 1920 war ein Meilenstein für die Gleichberechtigung.

Hat Lidia Poët geheiratet?

Historische Quellen belegen, dass Lidia Poët nie geheiratet hat. Sie lebte zeitlebens unverheiratet und widmete sich ihrer Karriere und dem Kampf für Frauenrechte (Ordine degli Avvocati di Torino (italienische Anwaltskammer)).

Ehemann und Familienstand

  • Keine Einträge in Kirchenbüchern oder Standesämtern weisen eine Eheschließung aus (Wikipedia (de))
  • Sie hatte keine Kinder (Netflix Tudum)
  • Ihre persönliche Korrespondenz enthält keine Hinweise auf eine Ehe (Taylor & Francis (akademische Analyse))

Das Fazit: In der Serie wird Lidia als unabhängige ledige Frau dargestellt – das entspricht der historischen Wahrheit. Die romantische Handlungslinie mit Jacopo ist frei erfunden.

Hatte Lidia Poët im echten Leben Liebhaber?

Es gibt keine dokumentierten Belege für Liebhaber oder romantische Beziehungen in Lidia Poëts Leben (Taylor & Francis (akademische Analyse)). Die Serie erfindet eine Liebesgeschichte mit dem fiktiven Journalisten Jacopo, um die Handlung emotional aufzuladen.

Beziehungen in der Realität

Der Widerspruch: Die Serie braucht eine Liebesgeschichte, um das Publikum zu fesseln. Historisch gesehen war Lidia Poëts Leben jedoch von Rechtskämpfen geprägt, nicht von Romanzen.

Was geschah zwischen Lidia und Jacopo?

Jacopo ist eine fiktive Figur der Netflix-Serie. In der Serie entwickelt sich eine romantische Beziehung zwischen Lidia und Jacopo, die über mehrere Episoden hinweg thematisiert wird (Netflix Tudum (offizielle Serien-Website)).

Die Beziehung in der Serie

  • Jacopo ist ein Journalist, der Lidia bei ihren Ermittlungen unterstützt und eine Affäre mit ihr hat (Wikipedia (de))
  • Die Serie nutzt diese Beziehung, um Spannung und emotionale Tiefe zu erzeugen (Netflix (offizielle Serienseite))
  • In Staffel 1 endet die Beziehung offen, was Raum für eine Weiterführung in Staffel 2 lässt (Netflix Tudum)

Fiktion vs. Realität

  • Historisch gab es keine Person namens Jacopo in Lidia Poëts Umfeld (Taylor & Francis (akademische Analyse))
  • Die Figur ist ein dramaturgisches Element – wie viele Serienfiguren dient sie der Unterhaltung, nicht der Geschichtstreue (WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk))
  • Für Zuschauer, die die wahre Geschichte kennen, ist die Beziehung ein klares Indiz für die Fiktionalisierung (Ordine degli Avvocati di Torino)
Was zu beachten ist

Wer die Serie sieht, sollte nicht erwarten, eine Dokumentation zu sehen. Die Liebesgeschichte ist reine Fiktion – genau wie die Kriminalfälle. Der historische Kern liegt im Kampf um die Zulassung zur Anwaltschaft.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Lidia Poët wurde 1855 geboren und starb 1949 (Wikipedia (de))
  • Sie war die erste Frau, die in Italien Jura studierte und die Anwaltsprüfung bestand (Netflix Tudum)
  • Ihre Zulassung wurde 1883 entzogen (Ordine degli Avvocati di Torino)
  • Sie heiratete nie und hatte keine Kinder (Taylor & Francis (akademische Analyse))

Was unklar ist

  • Ob Lidia Poët jemals romantische Beziehungen hatte, ist nicht überliefert (Taylor & Francis)
  • Die genauen Umstände ihres Todes (Todesursache) sind nicht öffentlich dokumentiert (Ordine degli Avvocati di Torino)
  • Ob sie Geschwister hatte, ist in den meisten Quellen nicht erwähnt (Wikipedia (de))

„Lidia Poët war die erste moderne italienische Anwältin.“

Wikipedia (de)

„Die Serie basiert auf wahren Begebenheiten, ist aber dramatisiert.“

Netflix Tudum (offizielle Serien-Website)

„Der Fall zeigt Heuchelei und Geschlechtervorurteile in der italienischen Justiz des 19. Jahrhunderts.“

Taylor & Francis (akademische Analyse)

„Poët wurde von der ausgestoßenen Anwältin zum Serienstar – ihre Geschichte ist ein Lehrstück für Beharrlichkeit.“

WDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Fazit: Lidia Poët ebnete als erste Anwältin Italiens den Weg für Juristinnen, während die Netflix-Serie ihren Kampf mit fiktiven Kriminalfällen und einer erfundenen Liebesgeschichte anreichert. Für Geschichtsinteressierte bietet die Serie einen Einstieg, für Faktentreue bleiben die offiziellen Quellen der Turiner Anwaltskammer unverzichtbar.

Für Italiens Juristinnen ist die Botschaft klar: Der Kampf von Lidia Poët war kein Einzelfall, sondern der Auftakt zu einer jahrzehntelangen Bewegung. Wer heute als Frau in Italien Jura studiert, verdankt diesen Weg einer Frau, die 1883 nicht aufgab – auch wenn sie erst 1920 wieder vor Gericht stehen durfte.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt wurde Lidia Poët?

Sie wurde 93 Jahre alt (geboren 26.8.1855, gestorben 25.2.1949).

Welche Ausbildung hatte Lidia Poët?

Sie studierte Rechtswissenschaften an der Universität Turin und schloss 1881 ab.

War Lidia Poët verheiratet?

Nein, historische Quellen belegen keine Ehe.

Hat Lidia Poët Kinder?

Nein, sie hatte keine Kinder.

Was ist die Todesursache von Lidia Poët?

Die genaue Todesursache ist nicht öffentlich dokumentiert.

Wird es eine zweite Staffel von Lidia Poët geben?

Ja, Netflix hat Staffel 2 und 3 bestätigt.

Wo wurde die Serie Lidia Poët gedreht?

Die Dreharbeiten fanden in Turin und Umgebung sowie in Rom statt.

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