Strategische Entscheidungen in der Wissenschaft erfordern Expertise, die über den eigenen Tellerrand hinausgeht – genau hier setzen Scientific Advisory Boards (SAB) an. Sie sind keine bloßen Repräsentationsgremien, sondern eigenständige wissenschaftliche Kontrollorgane mit realen Mandaten, von der EPA in den USA bis zur WHO in Europa; dieser Artikel grenzt ihre Aufgaben, Grenzen und Unterschiede zu anderen Boards ein.

Kernaufgabe: Externe wissenschaftliche Begutachtung von Forschung und Entwicklung · Status: Beratungsgremium ohne Entscheidungsbefugnis · Mitglieder: Unabhängige, international anerkannte Wissenschaftler:innen · Beispiele: Amgen, Leibniz-LIB, CRG, WHO, EPA-SAB

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Die Vergütung von Mitgliedern ist nicht einheitlich geregelt.
  • Die Abgrenzung von Beratungsausschüssen bleibt kontextabhängig.
  • Die Hierarchie zwischen SAB, Vorstand und CEO variiert je nach Satzung.
3Zeitleisten-Signal
  • Das SAB-Prinzip ist institutionell verankert (EPA seit 1970er, WHO Europa 2021).
  • Stiftungen passen Satzungen an (NRW 2023: Aufgaben und Besetzung des SAB konkretisiert).
4Wie es weitergeht
  • Die Diskussion um Transparenz und Vergütung von Beiräten wird intensiver.
  • Reformen der Berufungsverfahren und eine stärkere Standardisierung sind absehbar.

Wissenschaftliche Beiräte auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst die zentralen Merkmale zusammen, die ein Scientific Advisory Board definieren – von der Aufgabe bis zur Besetzung.

Merkmal Ausprägung
Was ist ein SAB? Ein externes wissenschaftliches Beratungsgremium
Kernaufgabe Kritische Begleitung und Förderung wissenschaftlicher Aktivitäten
Besetzung Unabhängige, international anerkannte Wissenschaftler:innen
Beispiel EPA Science Advisory Board in den USA
Status Beratend, nicht geschäftsführend
Berufungsperiode Meist vier Jahre (z.B. Stiftung Leibniz-LIB)
Tätigkeit Ehrenamtlich oder mit Auslagenersatz (BMF, NRW)

Kurz gesagt: Ein SAB ist ein externes Beratungsgremium, kein operatives Leitungsorgan – diese Abgrenzung zieht sich durch alle weiteren Abschnitte.

Was macht ein wissenschaftlicher Beirat?

Die Aufgaben eines wissenschaftlichen Beirats gehen weit über den reinen Austausch von Ideen hinaus. Sie sind in der Satzung der jeweiligen Organisation verankert und tragen zur strategischen Steuerung der Forschung bei.

Aufgaben eines SAB im Überblick

  • Externe wissenschaftliche Begutachtung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, um die Qualität der Arbeiten zu sichern (Bundesministerium der Finanzen).
  • Beratung der Institutsleitung oder des Vorstands in wissenschaftlichen und fachpolitischen Fragen (Ministerialblatt Nordrhein-Westfalen).
  • Unterstützung von Kommissionen bei der Erfüllung ihrer Mandate, wie etwa die Pan-European Commission on Health and Sustainable Development der WHO (WHO Europa).
  • Erstellung wissenschaftlich fundierter Gutachten und Analysen für politische Entscheidungsträger (Bundesministerium der Finanzen).

Wie ein SAB die Institutsleitung unterstützt

  • Das SAB gibt Stellungnahmen zum Programmbudget und zum Ressourceneinsatz ab (Ministerialblatt Nordrhein-Westfalen).
  • Es unterstützt den Stiftungsrat bei der Gewinnung von Leitungspersonal und bei wichtigen Entwicklungsentscheidungen (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).
  • Die Beratungen sind nicht öffentlich, die veröffentlichten gutachtlichen Stellungnahmen bieten jedoch Außenstehenden Einblick in die strategische Ausrichtung (Bundesministerium der Finanzen, Satzung des Beirats).

Kritische Begleitung und Förderung wissenschaftlicher Aktivitäten

  • Der Beirat bewertet Forschungs-, Service- und Beratungsleistungen regelmäßig und berichtet dem Stiftungsrat darüber (Ministerialblatt Nordrhein-Westfalen).
  • Er fördert die wissenschaftliche Entwicklung, indem er eigene Impulse setzt und externe Expertise einbringt (Leibniz-LIB).
  • Die Aufgabe ist grundsätzlich beratend und nicht geschäftsführend – ein zentrales Merkmal, das den SAB von operativen Gremien unterscheidet (Bundesministerium der Finanzen).

Was dies bedeutet: Ein SAB ist kein Harmonieorgan. Seine Hauptaufgabe ist die konstruktive, aber auch unbequeme Kritik – ein Korrektiv für die Institutsleitung, das Qualität und strategische Ausrichtung sichert.

Fazit: Ein wissenschaftlicher Beirat ist ein kritisches Kontrollgremium, das externen Sachverstand für strategische Entscheidungen nutzbar macht. Forschende und Institute profitieren von der unabhängigen Perspektive, müssen aber die Richtung vorgeben.

Die Konsequenz: Ein SAB liefert externen Sachverstand, bleibt aber auf die Rolle des Beraters beschränkt.

Wer sollte in einem Beirat sitzen?

Die Zusammensetzung eines SAB ist kein Zufall. Sie folgt klaren Kriterien, die in den Berufungsordnungen festgelegt sind und die wissenschaftliche Autorität des Gremiums sichern sollen.

Wer sind die Mitglieder eines Beirats?

  • Typische Mitglieder sind international anerkannte Wissenschaftler:innen mit breiter Expertise auf dem Gebiet des Instituts (CRG (Center for Genomic Regulation)).
  • Beim Bundesministerium der Finanzen sind die Mitglieder grundsätzlich Hochschullehrer der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaft mit besonderen Kenntnissen in Finanztheorie und Finanzpolitik (Bundesministerium der Finanzen, Satzung).
  • Die Stiftung Leibniz-LIB sieht mindestens sechs und höchstens zwölf externe, international angesehene Mitglieder vor (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).

Wer darf in Beratungsausschüssen mitwirken?

  • Die Eignung hängt von wissenschaftlicher Autorität und Unabhängigkeit ab, nicht von einer operativen Position im Unternehmen (Wikipedia (Science Advisory Board der EPA)).
  • Die EPA wählt unabhängige Wissenschaftler aus, die keine direkten wirtschaftlichen Interessen an den zu begutachtenden Projekten haben (Wikipedia (Science Advisory Board der EPA)).
  • Die Mitglieder des BMF-Beirats bestimmen den Gegenstand ihrer Beratungen grundsätzlich selbst – ein hohes Maß an akademischer Freiheit (Bundesministerium der Finanzen, Satzung des Beirats).

Wie werden SAB-Mitglieder berufen?

  • Die Mitglieder des Leibniz-LIB-Beirats werden vom Stiftungsrat berufen (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).
  • Die Berufungsperiode beträgt in der Regel vier Jahre (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).
  • Die EPA beruft ihre Mitglieder direkt über den Administrator der Behörde (Wikipedia (Science Advisory Board der EPA)).

Die Schlussfolgerung: Die Auswahl ist strategisch – sie soll höchste wissenschaftliche Qualität und Unabhängigkeit sichern. Ein SAB ist kein Gremium für Firmenvertreter, sondern ein Zusammenschluss externer Fachautoritäten.

Fazit: Für die Besetzung eines SAB gelten strenge Kriterien: Internationale Anerkennung und Unabhängigkeit stehen über operativen Interessen. Stiftungsrat oder Minister berufen die Mitglieder für begrenzte Amtszeiten.

Das bedeutet für die Praxis: Die Berufung durch Stiftungsrat oder Ministerium sichert die Unabhängigkeit des Gremiums.

Werden Mitglieder eines Beirats bezahlt?

Diese Frage beschäftigt viele Kandidat:innen vor einer Berufung. Die Antwort ist überraschend differenziert und hängt maßgeblich von der Rechtsform und der Satzung der Organisation ab.

Vergütungsmodelle für Beiräte

  • Die Vergütung von Beiratsmitgliedern ist nicht einheitlich geregelt und variiert zwischen öffentlichen Einrichtungen und Privatunternehmen (Bundesministerium der Finanzen, Satzung).
  • In der Privatwirtschaft, etwa bei Amgen, sind SAB-Mitglieder in die externe wissenschaftliche Begutachtung von F&E eingebunden, was oft mit einer Vergütung einhergeht (Amgen).
  • Die Spannbreite reicht von vollständig ehrenamtlicher Tätigkeit bis zu marktüblichen Beraterhonoraren. Eine standardisierte Antwort ist nicht möglich.

Ehrenamtliche Mitarbeit

  • Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium der Finanzen arbeitet grundsätzlich ehrenamtlich (Bundesministerium der Finanzen, Satzung).
  • Auch die Stiftung Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (Leibniz-LIB) legt in ihrer Satzung fest: Die Tätigkeit der Mitglieder ist ehrenamtlich (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).

Aufwandsentschädigung und Honorare

  • Für den wissenschaftlichen Beirat des Leibniz-LIB werden notwendige und angemessene Auslagen nach dem Reisekostengesetz Nordrhein-Westfalen erstattet (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).
  • Eine reine Auslagenerstattung ist kein Honorar – der ideelle Gewinn und die fachliche Reputation stehen in solchen Fällen im Vordergrund.
Das Paradoxon der Vergütung

Während das Bundesfinanzministerium und das Land NRW ihre Beiräte ehrenamtlich bestellen und nur Auslagen erstatten, zahlen operative Unternehmen durchaus hohe Honorare. Die wissenschaftliche Autorität steht im umgekehrten Verhältnis zum finanziellen Aufwand – ein Dilemma für die Besetzung.

Kurz gesagt: Öffentliche Einrichtungen setzen auf Ehrenamt und Auslagenersatz, private Unternehmen auf Honorare – Kandidat:innen sollten die Satzung prüfen, bevor sie ein Mandat annehmen.

Das Fazit: Die Antwort ist ein klares „Jein“. Wer sich für ein SAB-Mandat interessiert, muss die Satzung der Organisation genau prüfen. Ehrenamt und Reputation dominieren in öffentlichen Einrichtungen, während die Privatwirtschaft oft marktübliche Sätze zahlt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Beirat und einem Beratungsausschuss?

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, doch aus rechtlicher und satzungsmäßiger Sicht bestehen Unterschiede. Der Vergleich zeigt, wo die Trennlinien verlaufen – und wo die Praxis sie verwischt.

Kriterium Beirat (Advisory Board) Beratungsausschuss (Advisory Committee)
Dauerhaftigkeit In der Regel dauerhaftes Gremium Häufig zeitlich befristet oder projektbezogen
Auftraggeber Stiftungsrat, Minister, Vorstand Meist ein konkretes Mandat (z.B. EU-Kommission)
Berufung Satzungsmäßig, langfristig Ad-hoc, zielgerichtet für ein spezifisches Projekt
Vergütung Oft ehrenamtlich oder mit Auslagen (BMF, NRW) Variiert stark, oft honoriert für spezifische Expertise

Beirat vs. Beratungsausschuss

  • Ein Beirat ist meist dauerhaft in der Organisation verankert, während ein Beratungsausschuss für ein klar definiertes Mandat einberufen wird (Bundesministerium der Finanzen, Satzung).
  • Die Begriffe Advisory Board und Advisory Committee werden im Englischen teils synonym, teils für unterschiedliche Gremienformen verwendet – eine einheitliche Definition gibt es nicht.
  • Die Unterschiede ergeben sich oft aus Satzung, Auftrag und Berufungsverfahren, nicht aus einer gesetzlichen Definition.

Synonyme für Beirat

  • Eine andere Bezeichnung für einen wissenschaftlichen Beirat ist Sachverständigenrat, Beratungsgremium oder wissenschaftlicher Ausschuss.
  • Im angelsächsischen Raum wird neben Advisory Board auch der Begriff Scientific Advisory Council verwendet, etwa bei der WHO (WHO Europa).
  • Der Begriff Kuratorium wird oft für Stiftungen genutzt, hat aber eine stärker kontrollierende Funktion als ein reiner Beirat.

Advisory Board und Advisory Committee im Vergleich

  • Das Advisory Committee ist häufig ein Ausschuss, der einer übergeordneten Instanz (Kommission, Ministerium) zuarbeitet (Wikipedia (Science Advisory Board der EPA)).
  • Das Advisory Board agiert eigenständiger und legt seine Schwerpunkte oft selbst fest, wie der BMF-Beirat zeigt (Bundesministerium der Finanzen, Satzung des Beirats).
Kurz gesagt: Verantwortliche sollten die Satzung oder Geschäftsordnung prüfen, nicht den Gremiennamen – nur dort sind Rechte und Pflichten verbindlich festgelegt.

Die Pointe: Die Begriffe sind nicht geschützt. Entscheidend sind allein die Satzung oder die Geschäftsordnung, die die Rechte und Pflichten des Gremiums definieren.

Lohnt es sich, in einem Beirat mitzuwirken?

Eine Mitgliedschaft in einem wissenschaftlichen Beirat ist prestigeträchtig, aber auch mit Aufwand verbunden. Die Abwägung zwischen Nutzen und Lasten fällt je nach Karrierephase und Vergütungsmodell unterschiedlich aus.

Vorteile

  • Fachlicher Einfluss auf die strategische Entwicklung einer Forschungseinrichtung (Ministerialblatt Nordrhein-Westfalen).
  • Aufbau von Reputation und wissenschaftlichem Netzwerk auf höchstem Niveau (CRG).
  • Einblick in aktuelle Forschungsfragen und politische Entscheidungsprozesse (WHO Europa).

Nachteile

  • Zeitaufwand für Sitzungen, Stellungnahmen und Begutachtungen.
  • Unklare oder fehlende Vergütung bei öffentlichen Einrichtungen (Land Nordrhein-Westfalen, Stiftungssatzung).
  • Haftungsrisiko bei Falschberatung, falls das Mandat operativ aufgefasst wird.

Aufwand und Nutzen

  • Der Nutzen besteht in fachlicher Beratung, Reputation und Austausch mit der Institutsleitung.
  • Der Aufwand umfasst Sitzungen, Stellungnahmen und die Begutachtung wissenschaftlicher Vorhaben.
  • Die Antwort hängt von der individuellen Position, den Zielen der Organisation und dem Vergütungsmodell ab.

Für wen sich ein SAB-Mandat lohnt

  • Für Forschende, die ihre wissenschaftliche Autorität nutzen und strategisch Einfluss nehmen wollen, ist ein SAB-Mandat eine ideale Plattform.
  • Für Wissenschaftler:innen, die monetäre Vergütung priorisieren, sind operative Beratungsmandate in der Privatwirtschaft oft die bessere Wahl.
  • Die Entscheidung erfordert eine genaue Prüfung der Satzung und der internen Prozesse der Institution.

Die Abwägung: Wer Karriere und wissenschaftliche Reputation voranbringen will, profitiert. Wer schnelle finanzielle Vorteile sucht, ist im operativen Consulting besser aufgehoben.

Fazit: Für etablierte Forscher ist ein SAB-Mandat eine Frage der Reputation und des Einflusses. Vertreter der Privatwirtschaft sollten das Vergütungsmodell und den zeitlichen Aufwand im Verhältnis zum strategischen Wert prüfen.

Die Entscheidungshilfe: Wer Reputation und fachlichen Einfluss sucht, sollte ein SAB-Mandat annehmen; wer schnelle Honorare erwartet, ist im Consulting besser aufgehoben.

Ist das Board oder der CEO höher?

Diese typische Frage aus der Unternehmenspraxis verwechselt zwei grundverschiedene Gremien: das Scientific Advisory Board und das Board of Directors. Die Antwort ist klar, aber differenziert.

Board vs. CEO in der Unternehmenshierarchie

  • In der typischen Governance-Hierarchie steht das Board of Directors über dem CEO. Der CEO leitet das operative Geschäft, das Board bestellt und kontrolliert die Geschäftsführung (Deutscher Corporate Governance Kodex).
  • Ein Scientific Advisory Board ist kein Board of Directors. Er berät die Geschäftsführung und die Institutsleitung, hat aber keine Weisungsbefugnis.
  • Die Verwechslung ist gefährlich, denn sie überschreibt die operative Führung mit wissenschaftlichen Empfehlungen.

Was ist die höchste Position in einem Board?

  • Die höchste Position im Board of Directors ist der Vorsitz, auch Chairperson genannt.
  • In einem Scientific Advisory Board gibt es ebenfalls einen Vorsitz, der die Arbeit des Gremiums koordiniert und als Sprachrohr zur Institutsleitung dient.
  • Der Vorsitz des SAB ist jedoch kein Vorgesetzter der Geschäftsführung, sondern erster Ansprechpartner für wissenschaftliche Fragen.

Gibt es einen höheren Rang als CEO?

  • Im Konzern ist der Aufsichtsrat (Supervisory Board) das übergeordnete Kontrollorgan, das über der Geschäftsführung steht.
  • Der CEO ist dem Aufsichtsrat rechenschaftspflichtig. Ein SAB berät zwar die Geschäftsführung, kann aber keinen CEO abberufen oder ernennen.
  • Die klare Trennung von Beratung (SAB) und Aufsicht (Board of Directors) ist für eine funktionierende Governance essenziell.
Typische Verwechslung

Ein Scientific Advisory Board wird oft mit einem Aufsichtsrat oder Board of Directors verwechselt. Der Unterschied ist fundamental: Ein SAB berät, ein Board of Directors bestellt und entlässt die Geschäftsführung. Wer diese Rollen vermischt, riskiert ineffiziente Entscheidungsprozesse und rechtliche Unsicherheit.

Der Haken: Die Verwechslung von Scientific Advisory Board und Board of Directors ist gefährlich. Ein SAB kann den CEO nicht entlassen oder bestellen – das bleibt die Aufgabe des Aufsichtsrats. Ein SAB empfiehlt, der CEO (oder der Vorstand) entscheidet.

Fazit: Die Hierarchie ist eindeutig: Der Aufsichtsrat steht über dem CEO. Ein Scientific Advisory Board ist ein Beratungsgremium ohne operative Entscheidungsbefugnis. Unternehmen und Forschungseinrichtungen müssen diese Rollen klar trennen, um Governance-Konflikte zu vermeiden.

Die klare Regel: Ein SAB empfiehlt, der Aufsichtsrat entscheidet – diese Trennung schützt die Governance.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Trotz der institutionellen Verankerung des SAB-Prinzips bleiben einige Aspekte überraschend uneinheitlich. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, was gesichert ist und wo weiterer Klärungsbedarf besteht.

Bestätigte Fakten

  • Ein SAB ist ein externes wissenschaftliches Beratungsgremium, kein operatives Führungsorgan (Bundesministerium der Finanzen).
  • Die Mitglieder sind international anerkannte, unabhängige Wissenschaftler:innen (CRG).
  • Die Aufgaben umfassen kritische Begleitung, Förderung von Entwicklungen und externe Gutachten (Leibniz-LIB).
  • Die Tätigkeit kann ehrenamtlich sein (BMF, NRW) oder auf Honorarbasis erfolgen (Privatwirtschaft) (BMF, Satzung).

Was unklar ist

  • Die Vergütung von Beiratsmitgliedern ist nicht standardisiert und variiert stark je nach Organisation.
  • Die Abgrenzung zwischen Beirat und Beratungsausschuss ist kontextabhängig und rechtlich nicht trennscharf.
  • Die tatsächliche Entscheidungsmacht eines SAB ist in der Praxis oft schwer vom Empfehlungscharakter zu unterscheiden.
  • Die Hierarchie zwischen SAB, Vorstand und CEO variiert je nach Satzung und Land.

Das Muster: Je unabhängiger ein SAB aufgestellt ist, desto stärker wiegt seine wissenschaftliche Autorität – unabhängig von der Vergütungsfrage.

Stimmen aus den Satzungen und der Praxis

Die rechtlichen Grundlagen und die Selbstdarstellung der Institute geben einen Einblick, was ein SAB leisten soll – und was nicht.

„Ein wissenschaftlicher Beirat berät typischerweise die Leitung, den Vorstand, das Kuratorium oder politische Entscheidungsträger in wissenschaftlichen und fachpolitischen Fragen; seine Funktion ist grundsätzlich beratend und nicht geschäftsführend.“

— Bundesministerium der Finanzen (Definition und Aufgaben)

„Die Tätigkeit der Mitglieder dieses wissenschaftlichen Beirats ist ehrenamtlich.“

— Land Nordrhein-Westfalen (Stiftungssatzung Leibniz-LIB)

„Der Beirat hat die Aufgabe, die wissenschaftlichen Aktivitäten und die Entwicklung des Instituts kritisch zu begleiten und zu fördern.“

— Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (SAB-Aufgaben)

Die Quintessenz: Die Satzungen beschreiben durchgängig ein beratendes Gremium – operative Entscheidungsmacht ist nirgends vorgesehen.

Fazit: Was bleibt?

Ein Scientific Advisory Board ist mehr als ein Etikett – es ist ein strategisches Instrument der wissenschaftlichen Qualitätssicherung. Die Herausforderung liegt in der klaren Definition von Aufgabe, Vergütung und Hierarchie. Für die strategische Führung einer Forschungseinrichtung ist die Frage nach der Besetzung eines SAB eine grundsätzliche: Entscheidet man sich für die ehrenamtliche Exzellenz und maximale Unabhängigkeit (wie beim BMF oder Leibniz-LIB) oder für eine operative Honorarberatung mit potenziellen Interessenkonflikten? Forschungseinrichtungen müssen sich daher zwischen maximal unabhängiger Ehrenamtslösung und honorierter Fachberatung entscheiden – von dieser Wahl hängen ihre Glaubwürdigkeit und die Qualität der wissenschaftlichen Begleitung ab.

Weitere Quellen

eurac.edu, leibniz-hbi.de, arl-net.de

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet die Abkürzung SAB?

SAB steht für Scientific Advisory Board, zu Deutsch: Wissenschaftlicher Beirat.

Hat ein wissenschaftlicher Beirat Entscheidungsbefugnis?

Nein, grundsätzlich nicht. Seine Funktion ist rein beratend. Entscheidungen trifft die Geschäftsführung oder der Vorstand.

Was unterscheidet einen wissenschaftlichen Beirat von einem Aufsichtsrat?

Ein Aufsichtsrat ist ein gesetzlich verankertes Kontrollorgan mit Weisungsbefugnis. Ein SAB ist ein freiwilliges Beratungsgremium ohne rechtliche Kontrollfunktion gegenüber der Geschäftsführung.

Kann ein wissenschaftlicher Beirat als unabhängiger Gutachter auftreten?

Ja, das ist eine seiner Kernaufgaben. Er erstellt externe, wissenschaftlich fundierte Gutachten zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Wie arbeitet ein SAB in der Pharmaindustrie?

In der Pharmaindustrie werden SABs eingesetzt, um externe wissenschaftliche Expertise für die Bewertung von F&E-Aktivitäten bereitzustellen und das Management zu unterstützen (z.B. bei Amgen).

Wer beruft die Mitglieder eines wissenschaftlichen Beirats?

Die Berufung erfolgt meist durch den Stiftungsrat, das Ministerium oder den Vorstand, der die Einrichtung trägt – je nach Satzung der Organisation.

Wie lange dauert die Amtszeit eines Beirats?

Die Amtszeit ist in der Satzung festgelegt und beträgt häufig vier Jahre, mit Möglichkeit der Wiederberufung (z.B. Leibniz-LIB).

Sind die Beratungen eines SAB öffentlich?

Nein, die Beratungen sind grundsätzlich vertraulich. Die veröffentlichten Stellungnahmen bieten jedoch einen wichtigen Einblick in die wissenschaftliche Bewertung (z.B. BMF-Beirat).

Die kurze Antwort: Die konkrete Ausgestaltung entscheidet über Rechte, Pflichten und Vergütung eines SAB – Satzungstexte sind dafür die einzige verlässliche Grundlage.